European Deaf Youth Games: Zwei Willisauer schreiben ein Stück Geschichte mit
In Hannover werden diese Woche zum allerersten Mal die European Deaf Youth Games ausgetragen. Mit dabei: Simeon und Severin Hug vom STV Willisau Leichtathletik. Die Zwillingsbrüder starten am Samstag über 800 m – im Schweizer Dress und an einer Premiere.
Vom 17. bis 23. August 2026 ist Hannover Gastgeberin der ersten European Deaf Youth Games (EDYG). Rund 400 gehörlose und schwerhörige Nachwuchssportlerinnen und -sportler im Alter von 12 bis 18 Jahren haben sich in sieben Sportarten angemeldet. Ausgerichtet werden die Spiele vom Deutschen Gehörlosen-Sportverband beziehungsweise der Deutschen Gehörlosen Sportjugend gemeinsam mit der European Deaf Sports Organisation (EDSO).
Für die Innerschweizer Leichtathletik ist die Premiere gleich doppelt bemerkenswert: Zwei der Schweizer Startplätze gehen an denselben Verein – und an dieselbe Familie.
Zwei Brüder, eine Distanz
Simeon und Severin Hug, beide Jahrgang 2010, starten in der Kategorie U19 und treten beide über 800 m an. Ernst gilt es am Samstag, 22. August, im Erika-Fisch-Stadion. Es ist für die beiden der erste Einsatz im Nationaldress.
Dass zwei Brüder gemeinsam an einer internationalen Premiere über dieselbe Distanz antreten, gibt es nicht alle Tage. Trainingspartner, Konkurrenten und Rückhalt in einer Person – über zwei Runden dürfte das eine besondere Dynamik ergeben.
Wenn Licht den Startschuss ersetzt
Wer die Leichtathletik von der Bahn kennt, erlebt an den EDYG einige Unterschiede. Statt auf den akustischen Startschuss verlassen sich die Athletinnen und Athleten auf visuelle Startsignale – so nehmen alle den Start im selben Moment wahr.
Hörgeräte und Cochlea-Implantate dürfen während des Wettkampfs nicht getragen werden. Diese Regel gilt bereits ab dem Betreten des Call Rooms und innerhalb der definierten Wettkampfbereiche. Voraussetzung für eine Teilnahme ist ein nachgewiesener Hörverlust von mindestens 55 Dezibel auf dem besser hörenden Ohr.
Was in der Aufzählung technisch klingt, verändert das Rennen spürbar: Ohne akustische Orientierung fallen die vertrauten Anhaltspunkte weg – die Schritte der Gegnerin hinter einem, die Zwischenzeit vom Streckenrand, das Anfeuern aus der Kurve. Renneinteilung über 800 m wird damit noch stärker zur Kopfsache.
Der ILV drückt die Daumen
Der Innerschweizer Leichtathletikverband wünscht Simeon und Severin Hug für ihren 800-m-Lauf viel Erfolg, schnelle Beine und vor allem eine unvergessliche Woche mit der Schweizer Delegation. Der Dank geht an den STV Willisau Leichtathletik sowie an alle, die die beiden auf diesem Weg begleitet haben.
Hopp Schwiiz, hopp Simeon und Severin!
