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EM in Birmingham: Géraldine Di Tizio-Frey holt historisches Staffel-Silber

Vier Athletinnen und Athleten aus ILV-Vereinen standen an der Leichtathletik-EM in Birmingham im Einsatz. Géraldine Di Tizio-Frey (LK Zug) verpasste über 100 m eine Medaille um eine Hundertstelsekunde – und gewann fünf Tage später mit der 4×100-m-Staffel die erste Staffelmedaille der Schweizer Geschichte an einem Grossanlass.

Vom 10. bis 16. August fand im Alexander Stadium erstmals überhaupt eine Leichtathletik-EM in Grossbritannien statt. Swiss Athletics reiste mit 67 Athletinnen und Athleten an – der grössten Delegation aller Zeiten – und kehrte mit sieben Medaillen (3× Gold, 3× Silber, 1× Bronze), Rang sechs im Medaillenspiegel und 20 Top-8-Klassierungen zurück. Vier Startplätze gingen an ILV-Vereine.

Géraldine Di Tizio-Frey: eine Hundertstel – und dann die Erlösung

Als schnellste Europäerin des Jahres (10,96 Sekunden, aufgestellt beim Schweizer-Meister-Titel in Zürich) reiste die Zugerin nach Birmingham. Dank ihrer Position in der «Road to Birmingham» stieg sie direkt im Halbfinal ein – und gewann diesen gleich am ersten Wettkampftag souverän in 11,02 Sekunden, der zweitschnellsten Zeit aller Halbfinalistinnen.

Rund anderthalb Stunden später stand sie erstmals in ihrer Karriere in einem 100-m-Final an einem Grossanlass. Der Ausgang: 11,07 Sekunden, Rang vier – eine einzige Hundertstelsekunde hinter der Bronzemedaille von Delphine Nkansa (BEL/11,06). Gold ging an Lokalmatadorin Amy Hunt (11,00) vor Ewa Swoboda (POL/11,02). Auf dem ersten Zielfoto war Di Tizio-Frey noch als Dritte ausgewiesen worden.

Am Samstagabend folgte die Entschädigung. Zum sechsten Mal seit 2012 stand die Schweizer 4×100-m-Frauenstaffel in einem EM-Final – und diesmal ging der über zwölf Jahre alte Traum in Erfüllung. Als Startläuferin brachte Di Tizio-Frey das Quartett stark ins Rennen, danach hielten Fabienne Hoenke (LV Fricktal) und Léonie Pointet (CA Riviera) die Schweiz auf Medaillenkurs. Trotz eines völlig missglückten letzten Wechsels rettete Schlussläuferin Salomé Kora (LC Brühl) den zweiten Platz: 43,12 Sekunden, Silber hinter Grossbritannien (42,05) und drei Hundertstel vor Polen (43,15). Es ist die erste Staffelmedaille einer Schweizer Equipe an einem Grossanlass überhaupt.

Zum Abschluss stand die 29-Jährige am Sonntag ein drittes Mal im Einsatz: In der erstmals an einer EM ausgetragenen 4×100-m-Mixed-Staffel lief die Schweiz mit Daryl Bachmann, Di Tizio-Frey, William Reais und Fabienne Hoenke in Schweizer Rekordzeit von 40,87 Sekunden auf Rang vier.

Fabio Küchler: als Nachrücker in den Halbfinal

Für Fabio Küchler (TSV Rothenburg) war Birmingham die erste Elite-EM. Im Vorlauf über 110 m Hürden verpasste der 22-Jährige mit 14,00 Sekunden die Halbfinalqualifikation um sechs Hundertstel. «Die Aufregung war gross, weil es mein erster Grossanlass bei den Aktiven war. Zufrieden stimmte mich, dass ich trotz suboptimalem Start eine gute Frequenz und einen guten Schluss zeigen konnte», sagte er gegenüber SRF.

Damit schien seine EM beendet – bis am Mittwoch der Deutsche Gregory Minoue verzichtete und Küchler als erster Ersatzmann nachrückte. Erst um 17 Uhr erfuhr er davon. Wenige Stunden später lief der Luzerner im dritten Halbfinal 13,66 Sekunden und wurde Sechster. Es ist die zweitbeste Zeit seiner Karriere – schneller war er nur bei seiner persönlichen Bestleistung von 13,63 Sekunden am Pfingstmeeting in Zofingen. Den Titel über 110 m Hürden holte Jason Joseph (LC Therwil) in 13,12 Sekunden.

Zehnkampf: Portmann und Krummenacher sammeln Elite-Erfahrung

Gleich zwei der drei Schweizer Zehnkämpfer kamen aus dem ILV-Gebiet. Nino Portmann (LA Nidwalden) setzte bei seinem ersten Grossanlass bei der Elite ein Ausrufezeichen: Über 100 m lief er mit 10,69 Sekunden die schnellste Zeit aller 25 Athleten und trug zwischenzeitlich die gelbe Leadernummer. Nach dem Weitsprung auf 7,43 m lag er auf Rang vier, ein misslungenes Kugelstossen (14,00 m) warf ihn zurück. Mit einer Saisonbestzeit über 400 m (48,06) und einer persönlichen Bestleistung im Stabhochsprung (4,40 m) beendete der 26-Jährige den Zehnkampf mit 7888 Punkten auf Rang 14.

Leon Krummenacher (Leichtathletik Kerns) war mit 20 Jahren der jüngste Schweizer Athlet in Birmingham – und startete angeschlagen. Eine Handgelenksverstauchung und eine entzündete Ellbogensehne aus der Vorwoche zwangen ihn und Trainer Sandro Jöri zu einer vorsichtigen Taktik: maximal sechs Sprünge im Hochsprung, nur ein Versuch im Speerwurf. Trotzdem zog der Obwaldner den Wettkampf durch und egalisierte im Stabhochsprung mit 5,00 m seine persönliche Bestleistung; über 400 m lief er in 50,30 Sekunden einen Hausrekord. Schlussrang 19 mit 7603 Punkten. Bester Schweizer wurde Andrin Huber (TV Teufen) als Neunter.

Einordnung

Vier Startplätze an einer Elite-EM, dazu eine Medaille, ein vierter Platz im 100-m-Final und ein Schweizer Rekord in der Mixed-Staffel: Die Innerschweiz war in Birmingham so präsent wie selten. Bemerkenswert ist dabei die Streuung – Zug im Sprint, Luzern über die Hürden, Nid- und Obwalden im Zehnkampf. Das ist kein Zufallsjahrgang, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Vereinsarbeit.

Der ILV gratuliert Géraldine Di Tizio-Frey, Fabio Küchler, Nino Portmann und Leon Krummenacher herzlich.


EM Birmingham 2026 – die ILV-Resultate im Überblick

Athlet:inVereinDisziplinResultat
Géraldine Di Tizio-FreyLK Zug4×100 m2. Rang, 43,12
Géraldine Di Tizio-FreyLK Zug100 m4. Rang, 11,07 (HF 11,02)
Géraldine Di Tizio-FreyLK Zug4×100 m Mixed4. Rang, 40,87 (CH-Rekord)
Nino PortmannLA NidwaldenZehnkampf14. Rang, 7888 Punkte
Leon KrummenacherLeichtathletik KernsZehnkampf19. Rang, 7603 Punkte
Fabio KüchlerTSV Rothenburg110 m HürdenHalbfinal, 13,66 (VL 14,00)