BerichteNachwuchs

U18-EM in Rieti – Bilanz aus Innerschweizer Sicht

Rieti (ITA), 16. bis 19. Juli 2026 – Stadio Raul Guidobaldi

Zwei Athletinnen und Athleten aus Vereinen des Innerschweizer Leichtathletikverbands standen an der fünften Austragung der U18-Europameisterschaften im Einsatz: Sprinterin Ayana Brunner (LC Luzern) und 800-m-Läufer Florian Staub (Hochwacht Zug). Sie gehörten zum 41-köpfigen Schweizer Aufgebot – 22 Frauen, 19 Männer sowie zwei Medley-Staffeln –, das Swiss Athletics am 6. Juli selektioniert hatte. Innerhalb der Qualifikationsperiode hatten über 50 Schweizer Nachwuchstalente eine Limite erfüllt; pro Land und Disziplin waren jedoch nur zwei Startplätze möglich.


Ayana Brunner (LC Luzern), 100 m: eine Hundertstelsekunde vom Final entfernt

Ayana Brunner lieferte den stärksten Innerschweizer Auftritt dieser Titelkämpfe – und den bittersten Moment zugleich.

Donnerstag, Vorlauf. Im fünften Vorlauf (Rückenwind 0,6 m/s) lief sie 11,71 Sekunden und qualifizierte sich als Zweite souverän für den Halbfinal. Sie war damit die einzige der beiden Schweizer 100-m-Läuferinnen, die die erste Runde überstand – Lilly Isenegger (Old Boys Basel) schied in 12,29 aus.

Freitag, Halbfinal. Brunner steigerte ihre persönliche Bestleistung nochmals um eine Hundertstelsekunde auf 11,67 Sekunden und wurde Dritte ihres Laufs. Zum Finaleinzug fehlte am Ende genau eine Hundertstelsekunde – knapper kann man den Sprung unter die besten acht Europas nicht verpassen.

Sonntag, Medley-Staffel. Brunner eröffnete die Schweizer Frauenstaffel (100–200–300–400 m) auf der ersten Ablösung. Zusammen mit Sarah Maria Berger, Yael Grossmann und Fiona Sprecher lief das Quartett 2:11,27 Minuten, wurde Fünfte des zweiten Vorlaufs und schied als Gesamt-13. aus.

RIETI – ITALY – 17 July 2026

Ayana Brunner (Switzerland) during the 400m semi-finals in the 2026 U18 European Athletics Championships at Stadio Raul Guidobaldi in Rieti, Italy.

Florian Staub (Hochwacht Zug), 800 m: schwieriger Tag im vierten Vorlauf

Für den Zuger endete die EM bereits am ersten Wettkampftag. Im vierten 800-m-Vorlauf kam Staub in 1:56,70 Minuten als Fünfter ins Ziel und schied leider aus; auch sein Teamkollege Noah Collioud (STV Welschenrohr) blieb in 1:54,64 auf der Strecke.

Die Zeit lag deutlich über seinen Möglichkeiten: Am Pfingstmeeting in Zofingen hatte Staub im Mai mit 1:50,71 Minuten die EM-Limite erfüllt – die schnellste Zeit aller Schweizer 800-m-Läufer dieser Alterskategorie in der Qualifikationsphase. Rund sechs Sekunden Rückstand auf die eigene Bestzeit zeigen, wie unerbittlich taktisch geprägte Meisterschaftsrennen für Debütanten sein können. Staub hatte sich zuvor bereits an der Nachwuchs-SM in Zofingen Silber über 800 m (U18) geholt und war im Vorprogramm von Weltklasse Zürich im 1000-m-Verfolgungsrennen gestartet.

RIETI – ITALY – 16 July 2026

Florian Staub (Switzerland) during the 800m heats in the 2026 U18 European Athletics Championships at Stadio Raul Guidobaldi in Rieti, Italy.

Einordnung: die erfolgreichste Schweizer U18-EM

Das Schweizer Team reiste mit vier Medaillen und dem 9. Rang im Medaillenspiegel aus Rieti nach Hause:

MedailleAthlet/inDisziplinResultat
🥇 GoldAimie Decrausaz (US Yverdon)3000 m9:06,60 (Meisterschaftsrekord, Schweizer U18-Rekord)
🥈 SilberJonas Beutler (CA Broyard)2000 m Steeple5:49,51
🥈 SilberMina Hirsbrunner (SK Langnau)400 m Hürden57,83 (Schweizer U18-Rekord)
🥉 BronzeJevin Rasanayagam (LC Brühl)Speerwurf69,06 m (PB, +1,41 m)

Zur Einordnung: Gemäss Swiss Athletics gewann die Schweizer Delegation in den vier vorangegangenen Austragungen seit 2016 insgesamt acht Medaillen – vier Stück an einer einzigen U18-EM sind damit die bislang beste Ausbeute. Dazu kamen weitere starke Resultate: der Schweizer U18-Rekord von Diskuswerferin Joy Chika Anyamele (47,58 m in der Qualifikation, im Final Rang 9), Platz 6 von Hochspringerin Emilia Stuber und Rang 8 von Marwin Aregger über 1500 m. Die Männer-Medley-Staffel qualifizierte sich für den Final, konnte diesen nach einer misslungenen Stabübergabe aber nicht beenden.

Swiss Athletics selbst setzt in seiner Schlussbilanz den Akzent bewusst nicht auf die Medaillen: Wichtiger sei, dass die jungen Athletinnen und Athleten Erfahrungen sammeln und sich für ihre weitere Karriere inspirieren lassen. Genau unter diesem Blickwinkel ist die Innerschweizer Bilanz zu lesen: zwei Selektionen bei 41 Plätzen, kein Finaleinzug – aber mit Brunners 11,67 eine persönliche Bestleistung genau im entscheidenden Moment, und für Staub die Erfahrung, wie sich ein internationales Championnats-Rennen anfühlt.

Der Innerschweizer Massstab der letzten Jahre

Die U18-EM hat der Innerschweiz zuletzt regelmässig Spitzenresultate gebracht:

  • 2022, Jerusalem: Shirin Kerber (LA Nidwalden) gewann Bronze über 1500 m – eine von damals drei Schweizer Medaillen.
  • 2024, Banská Bystrica: Fiona von Flüe (TV Cham) wurde über 1500 m Vierte und lieferte damit das beste Schweizer Einzelresultat jener EM.
  • 2025, U20-EM Tampere: Leon Krummenacher (Leichtathletik Kerns) holte Bronze im Zehnkampf

Herzliche Gratulation an beide zur Selektion – und Dank an die Trainerinnen, Trainer und Vereine im Hintergrund, die diesen Weg möglich machen.