BerichteMeisterschaften

Di Tizio-Frey ist die schnellste Frau der Schweiz

Zürich, 25./26. Juli 2026 – Zwei Wochen vor der Europameisterschaft in Birmingham hat die Schweizer Leichtathletik-Elite im Stadion Letzigrund ihre nationalen Titel vergeben. Das Wochenende markierte zugleich das Ende der EM-Qualifikationsperiode, entsprechend hoch war das Niveau. Für die Vereine aus dem Verbandsgebiet wurde es ein ertragreicher Anlass: In acht Disziplinen klassierten sich Innerschweizerinnen und Innerschweizer in den vorderen Rängen, zweimal ganz zuoberst.

Wurfdisziplinen im Sihlhölzli

Die Hammerwurf-Konkurrenzen wurden nicht im Letzigrund, sondern auf der Sportanlage Sihlhölzli ausgetragen – und dort holte der LC Luzern gleich zwei Medaillen.

Bei den Männern wurde Lars Wolfisberg seiner Favoritenrolle gerecht. Mit 68,93 m sicherte er sich den Titel zum vierten Mal hintereinander; seit 2023 ist der Luzerner an Schweizer Meisterschaften ungeschlagen. Bei den Frauen war der Weg für eine neue Meisterin frei, nachdem die Titelverteidigerin nicht am Start stand. Livia Odermatt hielt mit 49,13 m dagegen und wurde Zweite hinter Ladina Kobler (Amriswil-Athletics), die mit 51,37 m eine persönliche Bestleistung erzielte. Für Odermatt, die 2022 im Letzigrund noch Bronze im Hochsprung gewonnen hatte, ist es die Bestätigung ihres Weges in den Wurfdisziplinen.

Später am Samstagnachmittag setzte Cyrill Amhof (LC Luzern) im Speerwurf ein Ausrufezeichen: Mit 71,31 m war er neben Sieger Franck Di Sanza (LAC TV Unterstrass, 76,15 m) der einzige Athlet, der die 70-Meter-Marke übertraf. Rang 3 ging an Jan Gredig (LAC TV Unterstrass, 69,88 m).

Enge Entscheidungen in der Weitsprunggrube

Bei den Frauen trennten die ersten vier Athletinnen nur zwanzig Zentimeter. Ronja Wengi (LK Zug) steigerte sich im fünften Versuch auf 6,14 m und wurde Vierte – vier Zentimeter hinter der drittplatzierten Lucia Acklin (LV Fricktal, 6,18 m). Den Titel sicherte sich Marina Zanoni (LC Therwil) mit einer persönlichen Bestweite von 6,34 m vor Liana Trümpi (LAV Glarus, 6,29 m).

Bei den Männern reichte es für einen Podestplatz: Mehrkampfspezialist Nino Portmann (LA Nidwalden) sprang 7,35 m und klassierte sich hinter Cyrill Kernbach (LAC TV Unterstrass, 7,61 m) und Nico Graf (KTV Wil, 7,43 m) auf Rang 3.

Der Schlusspunkt des ersten Tages

Den Höhepunkt des Samstags bildete vor knapp 4000 Zuschauerinnen und Zuschauern der 100-m-Final der Frauen – und er ging an eine Zugerin. Im fünften Anlauf hat es für Géraldine Di Tizio-Frey (LK Zug) geklappt: Nach dreimal Bronze und einmal Silber liess sie sich erstmals zur Schweizer Meisterin über die kürzeste Sprintdistanz küren. In 10,96 Sekunden setzte sie sich bei leichtem Rückenwind (0,5 m/s) vor Salomé Kora (LC Brühl, 11,09) und Natacha Kouni (LC Zürich, 11,15) durch.

Es ist die schnellste Zeit ihrer Karriere – und die schnellste Zeit, die in dieser Saison eine Europäerin gelaufen ist. Erst zwei Wochen zuvor war die 29-Jährige in Bulle als vierte Schweizerin überhaupt unter die 11-Sekunden-Marke gelaufen (10,98). Nun folgte die Bestätigung ausgerechnet in jenem Stadion, in dem sie täglich trainiert und 2022 bereits ihren ersten Titel über 200 m geholt hatte. «Ich wusste, dass die Konkurrenz stark ist und es ein gutes Rennen brauchen würde», sagte sie im Ziel. Titelverteidigerin Mujinga Kambundji war zuvor im Halbfinal ausgeschieden.

Sonntag: Bestzeit für Tenisch, Silber für Küchler

Am frühen Nachmittag sorgte Luana Tenisch für eine persönliche Bestleistung. Die U20-Athletin des LC Luzern klassierte sich im 400-m-Final in 54,70 Sekunden auf Rang 7 und blieb dabei erstmals unter ihrer bisherigen Bestzeit. Der Titel ging an Mélanie Roland (CA Belfaux) in 52,56 Sekunden vor Karin Disch (LC Regensdorf, 53,31) und Florence Nri (STB Leichtathletik, 53,32).

Den Schlusspunkt der Meisterschaften setzten die Hürdensprinter – und dort mischte sich ein Innerschweizer in die Medaillenvergabe. Fabio Küchler (TSV Rothenburg athletics) lief über 110 m Hürden bei Gegenwind von 1,1 m/s in 13,66 Sekunden zu Silber. Geschlagen geben musste er sich einzig dem Schweizer Rekordhalter Jason Joseph (LC Therwil), der in 13,30 Sekunden seinen neunten Titel in Serie gewann. Bronze ging an Mathieu Jaquet (LC Frauenfeld, 13,90), der sich um eine Hundertstelsekunde vor Fabio Kobelt (STV Kriessern) behauptete.

Breite Ausbeute und ein Blick nach Birmingham

Bemerkenswert an der Innerschweizer Bilanz ist ihre Streuung. Die acht Klassierungen verteilen sich auf vier Vereine – LC Luzern, LK Zug, LA Nidwalden und TSV Rothenburg athletics – und auf Wurf, Sprung, Sprint und Hürden. Dass sich mit Wolfisberg ein etablierter Serienmeister, mit Di Tizio-Frey eine Athletin auf dem Karrierehöhepunkt und mit Küchler und Tenisch zwei Jüngere im selben Verzeichnis finden, spricht für eine Region, die auf mehreren Stufen gleichzeitig Resultate liefert.

Mit dem Wochenende im Letzigrund ist die Qualifikationsperiode für die Europameisterschaft abgeschlossen. Vom 10. bis 16. August richtet sich der Blick nach Birmingham, wo Géraldine Di Tizio-Frey als schnellste Europäerin dieser Saison über 100 m an den Start gehen wird. Für die übrigen Athletinnen und Athleten geht die Bahnsaison mit den nationalen und internationalen Meetings des Spätsommers weiter.

Die Innerschweizer Klassierungen

Athlet/inVereinDisziplinRangLeistung
Géraldine Di Tizio-FreyLK Zug100 m1.10,96
Lars WolfisbergLC LuzernHammer1.68,93 m
Cyrill AmhofLC LuzernSpeer2.71,31 m
Livia OdermattLC LuzernHammer2.49,13 m
Fabio KüchlerTSV Rothenburg athletics110 m Hürden2.13,66
Nino PortmannLA NidwaldenWeit3.7,35 m
Ronja WengiLK ZugWeit4.6,14 m
Luana TenischLC Luzern400 m7.54,70 (PB)

Bilanz: 2× Gold, 3× Silber, 1× Bronze