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ILV-Athletinnen und -Athleten an der U20-WM in Eugene und an der EM in Birmingham

Zwei Grossanlässe, zwei Kontinente, zwölf Tage: Vom 5. bis 9. August steigt in Eugene (Oregon, USA) die U20-Weltmeisterschaft, vom 10. bis 16. August folgt in Birmingham (GBR) die Elite-EM. In beiden Schweizer Aufgeboten – jeweils die grössten der Geschichte – sind Athletinnen und Athleten aus dem ILV-Verbandsgebiet vertreten: drei an der U20-WM, vier an der EM. Sieben Namen aus Zug, Nid- und Obwalden sowie Luzern, die zeigen, wie breit die Innerschweizer Basis inzwischen geworden ist.


U20-WM Eugene (5.–9. August): Drei Innerschweizer/innen im Rekordaufgebot

Swiss Athletics hat 41 Athletinnen und Athleten (23 Frauen, 18 Männer) nach Oregon geschickt – so viele wie noch nie an einer U20-WM. 2024 in Lima waren es 37, 2022 in Cali 31. Das Team reiste bereits Ende Juli ab, um sich vor Ort an die neun Stunden Zeitverschiebung zu gewöhnen. Aus ILV-Sicht ist das Aufgebot doppelt erfreulich: Die Region stellt gleich drei Startplätze, und alle drei in den Sprint- und Hürdendisziplinen.

Milla Tonazzi (LK Zug) – 200m und 4x100m
Die 19-jährige Rischerin bestreitet ihren dritten Nachwuchsgrossanlass in Folge. Über 200 m steht sie mit 23,57 Sekunden vom Pfingstmeeting in Zofingen im Aufgebot – eine Zeit, die bis auf eine Hundertstelsekunde an die damalige nationale U20-Bestmarke heranreichte. An den Schweizer Meisterschaften in Zürich lief sie über 100 m im Halbfinal 11,42 und stand als zweite Zugerin neben Géraldine Di Tizio-Frey im hochkarätigen Final.

Noch eindrücklicher war der Auftritt mit der Staffel: An der BAUHAUS Junioren-Gala in Mannheim stürmte das Quartett Carina Stettler, Xenia Buri, Milla Tonazzi und Mara Schwitter in 43,52 Sekunden zu einem neuen Schweizer U20-Rekord und damit an die Spitze der Jahres-Weltbestenliste. Nur fünf Nationen sind bei den Juniorinnen jemals schneller gelaufen. Tonazzi trainiert schwergewichtig bei Urs Henggeler und Daniel Baumgartner, die Staffeltrainings absolviert sie mit dem Nationalteam in Bern. Ihr erklärtes Ziel in Eugene: der Halbfinal über 200 m.

Sereina Liem (Athletikzentrum Unterwalden) – 100 m Hürden und 4×100 m
Die Stanserin gehört seit zwei Jahren zu den auffälligsten Hürdentalenten Europas. 2025 gewann sie am Europäischen Olympischen Jugendfestival in Skopje mit 13,18 Sekunden Silber – nur eine Hundertstelsekunde über dem Schweizer Rekord. In der Halle stand sie mit 8,30 Sekunden über 60 m Hürden auf Rang 6 der europäischen U20-Bestenliste, im Juni bestätigte sie ihre Form in Mannheim mit 13,62 Sekunden und Rang 3 hinter Jil Sanchez und Daryl Ndasi. In Eugene ist sie zusätzlich Teil des Staffelkaders.

Sven Rymann (Athletikzentrum Unterwalden) – 110 m Hürden
Der Sarner hat den Schritt vom „Underdog“ zum Anwärter geschafft. 2025 reiste er als Letzter der Meldeliste an die U20-EM nach Tampere und qualifizierte sich dort trotzdem für den Halbfinal. In der Hallensaison 2026 stellte er einen U20-Schweizerrekord über 50 m Hürden auf, in Mannheim verbesserte er sich im Freien auf 13,74 Sekunden. Dass gleich zwei Athletinnen und Athleten desselben Unterwaldner Vereins an einer U20-WM starten, ist ein Novum – und ein Verdienst der Arbeit rund um Cheftrainer Thomi Rymann.


EM Birmingham (10.–16. August): Vier Athlet/innen aus dem ILV-Gebiet

Auch bei den Aktiven fällt ein Rekord: 67 Athletinnen und Athleten (33 Frauen, 34 Männer) vertreten die Schweiz im Alexander Stadium – mehr als je zuvor an einer Leichtathletik-EM und deutlich mehr als 2024 in Rom (60). Vier davon starten für ILV-Vereine. Besonders bemerkenswert: Im Zehnkampf stellt die Innerschweiz zwei der drei Schweizer Starter.

Géraldine Di Tizio-Frey (LK Zug) – 100 m und 4×100 m
Die Zugerin ist das Aushängeschild des Innerschweizer Sprints. Nach dem WM-Halbfinal 2025 in Tokio und dem Zuger Sportpreis im Januar folgte in dieser Saison eine Steigerung nach der anderen: 10,98 in Bulle als erstes offizielles Rennen unter elf Sekunden, 11,20 bei schwierigen Bedingungen an der Spitzenleichtathletik Luzern als klar schnellste Schweizerin – und schliesslich der Schweizer-Meister-Titel in Zürich in 10,96 Sekunden bei 0,5 m/s Rückenwind. Persönliche Bestleistung, European Lead, EM-Ticket. Zusätzlich ist sie von European Athletics erstmals für die Wahl zu Europas Athletin des Monats nominiert worden.

Fabio Küchler (TSV Rothenburg) – 110 m Hürden
Für den Rothenburger ist es die erste Elite-EM – nach der U20-EM 2023 in Jerusalem und der U23-EM 2025 in Bergen. Am Pfingstmeeting in Zofingen gewann er den Final in persönlicher Bestzeit von 13,63 Sekunden, an den Schweizer Meisterschaften in Zürich holte er in 13,66 Sekunden Silber hinter dem neunfachen Titelträger Jason Joseph. Nach einer von Verletzungen geprägten Vorsaison ist das eine der schönsten Innerschweizer Comeback-Geschichten dieses Sommers.

Leon Krummenacher (Leichtathletik Kerns) – Zehnkampf
Der Obwaldner hat sich mit U20-EM-Bronze 2025 in Tampere (7972 Punkte) auf Anhieb in eine Reihe mit Simon Ehammer und Andrin Huber gestellt. 2026 folgte der Schritt zu den Aktiven: Debüt in Brescia mit 7838 Punkten, dann an den Mehrkampf-Schweizermeisterschaften in Teufen 7988 Punkte und Silber sowohl in der U23- als auch in der Aktiv-Wertung – trotz einer wegen Fussproblemen ausgelassenen Hallensaison. Die 8000er-Marke ist zum Greifen nah. Seit diesem Jahr wird er im Rahmen einer Sporthilfe-Patenschaft von Marathon-Europameister Viktor Röthlin begleitet.

Nino Portmann (LA Nidwalden) – Zehnkampf
Der Beckenrieder legte im April in Brescia mit 7930 Punkten einen fulminanten Saisonstart hin: fünf persönliche Bestleistungen in den Einzeldisziplinen und eine Steigerung des Hausrekords um über 200 Zähler. Zuletzt schob er mit 7947 Punkten und Rang 4 an einem internationalen Top-Meeting nach. Der frühere U23-Schweizermeister, der 2025 auch an den World University Games startete, verfolgt in Birmingham dasselbe Ziel wie sein Trainingsrivale aus Kerns: erstmals über 8000 Punkte.


Einordnung: Die Region hat sich verbreitert

Was an dieser Doppel-Selektion auffällt, ist weniger die Zahl als die Streuung. Zug stellt mit Di Tizio-Frey und Tonazzi zwei Sprinterinnen, die im selben SM-Final standen und zehn Jahre auseinanderliegen. Unterwalden schickt aus einem einzigen Verein zwei Nachwuchs-Hürdentalente an eine WM. Luzern ist über die Hürden vertreten, Nid- und Obwalden im Zehnkampf. Das ist kein Zufallsjahrgang, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Vereinsarbeit.


Wann und wo mitfiebern

U20-WM Eugene, 5.–9. August 2026, Hayward Field. Wegen der Zeitverschiebung von minus neun Stunden finden die Sessions aus Schweizer Sicht am späten Abend und in der Nacht statt. Live-Stream via Eurovision Sport.

EM Birmingham, 10.–16. August 2026, Alexander Stadium. Erstmals überhaupt findet eine Leichtathletik-EM in Grossbritannien statt. SRF überträgt sämtliche Sessions.


Der ILV gratuliert allen sieben Selektionierten herzlich und wünscht gute Beine, kühlen Kopf und die nötige Portion Glück. Der Dank gilt ebenso den Trainerinnen und Trainern, den Vereinen und den Familien im Hintergrund, ohne die dieser Weg nicht möglich wäre.


Die ILV-Selektionen auf einen Blick

Athlet/inVereinAnlassDisziplin(en)
Milla TonazziLK ZugU20-WM Eugene200 m, 4×100 m
Sereina LiemAthletikzentrum UnterwaldenU20-WM Eugene100 m Hürden, 4×100 m
Sven RymannAthletikzentrum UnterwaldenU20-WM Eugene110 m Hürden
Géraldine 3LK ZugEM Birmingham100 m, 4×100 m
Fabio KüchlerTSV RothenburgEM Birmingham110 m Hürden
Leon KrummenacherLeichtathletik KernsEM BirminghamZehnkampf
Nino PortmannLA NidwaldenEM BirminghamZehnkampf